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Ein ganz gewöhnlicher Bundesliga-Samstag

Berlin und der 1.Mai waren letztes Wochenende und doch kommt es mir schon so unendlich lange her.

Wieder stehe ich in Uniform auf der Strasse. Dieses Mal aber in der Innenstadt einer norddeutschen Großstadt. Bin im Raumschutz. Nach diversen Besprechungen geht es raus in die Stadt, die einzelnen Gruppen briefen. Dieses Mal wird ab 10:30 die Körperschutzausstattung getragen. Minimum ist Weste, der Helm baumelt an einem eilig durch die Jackenbrusttasche gezogenen Plastikbinder. Den Helm werde ich heute einige Male ab- und anklinken, tragen. Das weiß ich da aber noch nicht. Auch nicht, dass ich die Weste bis 22h anhabe.

Irgendwie geht mir im Laufe des Tages das letzte bißchen Verständnis für Teile unserer Bevölkerung ab. Ich bin auch Fußball-Fan, aber wenn ich sehe, dass nach dem Spiel Kinder ihre betrunkenen Väter aus dem Stadion begleiten. Sehe wie die Fans von Erzgebirge Aue Platz 11 besetzen, später bei ihren Bussen Bengalos zünden. Und das alles nur wegen Alkohol und Fußball.

Stehe in der optischen Führung, die Fans zu den Park-und Ride Bussen den Weg weisen soll. War in eine Lücke getreten, als da ein "Fan" durch wollte. Er schaut mich nur an, nickt und folgt dann meinem Handwink 'Rechts geht's hoch' wortlos und ohne Mucken. Mir fällt diesen Tag durch das ständige sich-der-Bevölkerung und den Fans-Zeigen auf, wie anders sich die Menschen mir gegenüber verhalten. Ich scheine mich aber auch anders zu verhalten, obwohl mir selber eigentlich gar nicht mehr bewusst ist, dass ich eine Uniform trage. Ich stehe anders, das bekomme ich mit, schiebe das aber auf die Weste. Ansonsten merke ich das nur an den Anderen.

Nach dem Spiel des Erstligavereins, hält sich unser polizeiliches Gegenüber leider gar nicht an unser schönes Konzept. Zu sehen, wie das Konzept, an dem man eine Woche lang hart gearbeitet, mitgefeilt hat; gesehen hat wieviel Arbeit, das für soviele Menschen ist; einem um die Ohren fliegt, das ist nicht schön.

Apropos Ohren, wir werden zu einer Strassenkreuzung mitten in der Stadt gerufen. Zug- und Gruppenführer springen raus, Helm auf. Unsere Fahrerin auch. Sie muss zurück, den Wagen mitnehmen. Soll ein Auge auf sie haben, laufe in der Weste mit und schaue mich immer wieder nach ihr um, während sie alleine zum Bulli rennt und ich den Helm aufsetze. Normalerweise würde ich nie mitten auf der Strasse rennen, mit all den Gaffern an der Seite. Egal, Tunnelblick, und Adrenalin rauscht wieder. Ich vergesse sogar, dass ich keinen Waffengürtel um habe. Christian aber auch nicht und der geht voran. Dieses Mal sehen wir, was auf uns zukommt. Das ist laut, nicht betrunken, auf Randale aus und fühlt sich in seiner pöbelnden Masse sicher.

Alles geht gut und wir springen wieder in den Bulli, nächster Einsatz. Fanbegleitung zum Stadion und den Bussen zurück. Mittlerweile beulen sich die Hools und Ultras beider Lager zwei Strassen weiter beim Stadion. Und nur einige wenige Beamte stehen dazwischen. Sind mal wieder unterbesetzt. Der Abend endet mit 3 Stunden stehen vor dem Hauptbahnhof. Davor, denn drinnen steht zuviel Bundespolizei in gleicher Aufmachung. Langsam wird es echt kalt und ich bin froh den Rolli untergezogen zu haben. Erkältet bin ich später trotzdem. Sch*** Fußball ...

Und längst nicht jeder Alkoholisierte, der uns jetzt hier dumm anmacht, ist ein Fußball-Fan. Das scheint mehr der allsamstagliche Wahnsinn zu sein. Spontan bin ich froh, dass es zu spät ist, um noch auf der Diskomeile die Streife mitzugehen.

In der Kaserne falle ich mit den Stiefeln aufs Bett. Ausgezogen werden sie am Sonntagmorgen, als ich um 4h morgens wieder aufwache und dann dank des wieder hochkochenden Adrenalins beim Nachdenken, nicht wieder einschlafen kann...

9.5.10 12:16
 


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