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Die erste Leiche vergisst man nicht

haben die Kollegen gesagt, als sie am Morgen nach der Aktion in dem Hochhaus-Wohnsilo gefragt haben wie es mir geht.

 Mir ging es überraschend gut. Dem Jungkommissar, dessen ebenfalls erste Leiche die 3 Monate alte Mumie des alten Mannes war, eigentlich auch. Unser Bährenführer hatte schon vor der 4Stunden-Aktion mit Tür aufbrechen, auf Gerichtsmediziner warten, Hinweise suchen und dann auf die Bestatter warten, Abtransort, Hunger gehabt. Wir beiden jungen erst danach. Wir haben uns dann nach einem weiteren Einsatz auf der Wache Gyros reingepfiffen ...

Ich hab in der Zeit danach oft an diesen alten Mann denken müssen, der dort mit gerade einmal 68 Jahren einsam und alleine, von Familie und Freunden vergessen gestorben ist. Und an den man sich erst wieder erinnert hat, als die jungen Nachbarn meinten, "die Fliegen am Küchenfenster sehen so komisch aus. Und gut riechen tut es auch nicht. Laß uns mal die Polizei rufen". Also sind wir hingefahren.

Nach einer Weile ging es. Die Erinnerung kam nicht mehr täglich. Auch wenn ich Namen, Geburtsdatum und Geburtsort sofort wiedergeben konnte. Von der Beschreibung der Szenerie mal ganz abgesehen. Aber es kamen andere Eindrücke.

Bis vor 3 Wochen Oma starb. Da musste ich wieder an ihn denken und er tat mir noch mehr leid. Denn Oma war nicht alleine als sie starb. Keiner hatte sie vergessen, fast alle waren noch einmal da gewesen und als sie starb, waren zwei meiner Tanten und ich dort am frühen Sonntagmorgen und haben ihre Hände gehalten. Und das wusste sie. Diese Erinnerungen haben sich so eingebrannt, dass ich heute morgen seinen Namen nicht mehr wusste.

Einerseits war ich froh, dass ich nicht mehr erinnern konnte, aber andererseits, vielleicht war ich neben seiner Mutter die Einzige, die das überhaupt noch gekonnt hatte. Sein Bruder hatte ihn seit 30 Jahren nicht mehr gesprochen und konnte sich nicht einmal an die Namen seiner Nichte und Neffen erinnern. Dass es die Neffen gab, war sogar nur vage Vermutung.

Heute morgen war ich froh, dass der Spruch der Kollegen, den ich von anderen danach auch oft gehört habe, wohl doch nicht stimmte. Auch wenn mir lieber gewesen wäre, mir wären die Bilder abhanden gekommen und nicht sein Name. Die Bilder waren immer präsent. So, wie ich Omas letzten Blick, als ich ihr noch etwas zu Trinken gegeben habe und ihren letzten Atemzug 20 Minuten später wohl nie vergessen werde. Allerdings will ich das auch nicht.

Gerade habe ich nun ein bißchen online gespielt, einfach nur vor mich hingedaddelt und gezockt. Und auf einmal fiel mir sein Name wieder ein. 

Es stimmt wohl doch. Die erste(n) Leiche(n) vergisst man nicht.

Bleibt die Frage, Fluch oder Segen??

22.7.10 22:26
 


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